Nachtduft

Gerade jetzt im Sommer kommt dieses wiederkehrende Gefühl. Es ermannt sich, es überrennt mich. Mit einem tiefen Atemzug und dem Blick in den Nachthimmel zerreisst es mich fast. Ein Junikäfer setzt sich an meinen Fenstersims, als wollte er von der Welt da draussen erzählen. Von dem, vor dem ich mich gekonnt verstecke und verkrieche, in meiner Höhle der Einsamkeit, in meinem wohlbekannten Loch der unerträglichen Leichtigkeit. Mit den Klängen Mahlers zu vergleichen, ein ständig ansteigendes Tönen der Geigen, läuft es mir eiskalt entlang, stellt jedes Härchen einzeln auf und bringt mich in vagen Träumen doch zu dir. Zu dir, wie in jener Nacht, in diesen Nächten, vor all den vielen Jahren, vor all den Jahrtausenden, in denen ich glaube, dich geliebt zu haben. In diesem Leben begegnest du mir, jetzt und immer wieder, wir finden zusammen, mit all der Tragik, all der Unschuld eines längst vergessenen Traums. Gross und weit und sternenklar erstreckst du dich über mir, wie das Universum legst du dich zu Grunde, der Beginn allen Übels und der Träumenden gewisser Morgen. Mit all dem Funkeln und Glitzern, wie das immer neue Anschlagen der Klaviatur zu meinem persönlichen Wohlbefinden, ergänzt du erhaben meinen trotzigen Abend. Erhellend leuchtet der Mond, keine ganze Drehung ist ihm vergönnt, und doch wissen wir, doch sehen wir, er ist dort oben und alles kreist und dreht und wendet sich, wie es das womöglich schon immer getan hat. Über all die vielen Epochen, jede einzelne Ära und die Unglaublichkeiten, in denen meine Seele zu dir blickte und dich verehrte und vergötterte. Meine Seele, mein Menschsein, mein Wunschtraum offenbart sich in dir und deiner überschwänglichen Grösse, dich über mir aufzuspannen, wie ein seidenweicher tiefdunkelblauer Teppich aus Nacht. Deine Kühle lässt einen Schauer über mich hernieder, deine Sanftheit beruhigt mich gleichzeitig. Und keinen Kuss entfernt, berührt der Duft deiner sommerlichen Frische meine Haut und meine Lippen. Ich ergebe mich deiner Stille, deiner Einsamkeit und deiner entsetzlich einfachen Schönheit. Wenn ich durch dich hindurch wandere, ist es wie schweben; es ist wie ein Wandeln im Traum und in der Unwirklichkeit. Und du nimmst mich. Immer wieder, nimmst du mich auf, in deine alles beschützenden Arme. In deine unsägliche Traurigkeit, in deine gnadenlos Tiefe. Und so gehe ich, immer und immer wieder – in die Nacht.

030717

Zuhause fühlen

Ich sitze im blauen Bus, gleich neben dir. Das Radio ist an, die Melodie erklingt und mein Lächeln wird immer breiter. Du schaust zu mir rueber und siehst all das Glück in meinem Gesicht, das Funkeln in meinen Augen. Der Traum ist jetzt wahr. Wir fahren auf der weiten Straße in Richtung Horizont. Wir fahren und fahren und es ist einfach das absolute Gefühl von Freiheit und Glück. Meine Füsse auf den Amaturen tänzeln im Takt, ich pfeife das Lied und der warme Wind durchs Fenster zerzaust mein Haar. Es macht mir nichts, denn es passt zu dem weissen, luftigen Sommerkleid, dass leicht auf meinem Koerper liegt. Dein Grinsen verrät mir, dass du glücklich bist. Keine Sorgen, kein Morgen – nur der  Moment, wir zwei gegen den Rest der Welt. Was kann schon passieren? Du fährst ran und hältst, drehst das Radio furchtbar laut und nimmst mich an der Hand mit raus. Wir klettern auf das Dach vom Bus und tanzen mit Blick in die untergehende, warme Sonne.

Und tanzend, völlig losgelöst, wie ich hüpfe und springe, wie Schwerelosigkeit, und plötzlich deine Hand in meinem Haar, streicht es mir aus dem Gesicht und der durchdringende Blick deiner Augen, dann dein sanfter Kuss –

Irgendwo im Nirgendwo, eine Straße, die nicht endet, und trotzallem, wo auch immer:

ES FüHLT SICH WIE ZU HAUSE AN.

[ zu – Edward Sharpe & The Magnetic Zeros –]

100711

Traumtanz

Wenn die Wellen höher schlagen, als dein Herzschlag es erlaubt; wenn die Gefühle sich übertragen, durch alle Zeit und Raum; wenn die Entfernung sich von dir entfernt und langsam aber sicher aus irrem Zufall und ohne Grund dein Herz dir wärmt – dann solltest du verstehen, dass es ein kleiner Traum ist in dem du beginnst dich langsam zu drehen. Und alle Worte fallen dir so leicht, die Sprache ist ganz gleich, und auch der Ausdruck ist ganz egal – du findest wieder zu deinem Herzen zurück, so leicht und ohne jede Qual. Du springst mitten hinein und du merkst es nicht, du drehst dich immer schneller und aus Bewegung und Licht und Schatten – mitten in diesem Wirrwarr von Denken und Fühlen, ersiehst du plötzlich und unscheinbar dieses wunderschöne Gesicht und es strahlt dich an und es lächelt, ehrlich, es lächelt, behutsam und die Augen leuchten mit Wahrheit erfüllt und du hast nur gewünscht und gehofft, irgendwo in dir drin auch gewusst, dass du es irgendwann fühlst und siehst und dass es diesen Menschen geben muss. Du spürst, wie sich deine Mundwinkel etwas heben, immer bei diesem Gedanken daran. Du spürst, wie die Röte dir ins Gesicht geht, mit jeder Silbe, jedem Wort. Und du träumst dich dorthin, du wünschst dich einfach ein Stückchen näher, eine Minute schneller, an diesen dir unbekannten und unverhofften Ort. Deine Phantasie lässt ihn auferstehen, diesen Traum, du siehst und spürst und verwachst schon kaum noch und gehst einfach weiter und lässt dich treiben, heiter und vergnügt, bis der Traum dich fasst und mitzieht und die Ebenen wechselt; sodass es dir schwer wird im Gemüt. Du verwachst und wachst doch nicht auf, du hoffst und gibst auch schon auf, bevor begonnen hat, was noch nicht war, und du fühlst mit einer Klarheit und kennst ja doch die bittersüsse Wahrheit vom Wegsein und vom Vermissen schon. Trotzdem tanzt du diesen Traum, denn wer sollte es dir verbieten, wer kann es dir vermiesen, das Schöne und Süsse so zu vermissen, mit deiner überschwänglichen Leidenschaft, hast du dich in diese unsagbare Gefahr gebracht, dich zu verlieben, was du nur durch Worte kennst – mit der vornweg geschriebenen Warnung, dass du dich vielleicht verrennst. Und doch und ach und sowieso, was macht es schon, macht es dich froh. Wohin sollt der Weg auch führen, tausend Bilder, immer diese Augen, die dir deinen Atem rauben und ein Lächeln, das vor Frohsinn nur so strotzt; kein Wunder, dass du aller Vernunft hier trotzt. Du vermisst eine Wärme, die du noch nie spürtest und trägst es mit dir, wie ein tolles Geheimnis, das du mit Sorgfalt hütest. Und keiner kann es dir nehmen, du hörst dich nicht auf zu drehen, du siehst es verschwommen, aber stetig weiter auf dich zukommen und kannst es kaum erwarten, raubt die Faszination dir fast den Atem; lässt dich treiben und lässt dich gehen, kannst das Glück schon in weiter Ferne sehen und du führst ihn weiter, tanzt deinen Traum, lässt dich führen, ohne Zeit und Raum; nur von diesem Lächeln, was er dir schenkt, als hätte ihn dein Herz gelenkt.

260317 

 

In der Nacht.

 

Der Mond scheint.

Und nur eine Wolke die einsam am Himmel zieht.

Das Mädchen weint.

Und währenddessen nur ein Gesicht vor sich sieht.

Voller Leidenschaft, aus ihrem Herzen heraus,

versucht sie es mit aller Macht und bricht aus ihren Fesseln aus.

Sie will raus und einfach fliehen,

will mit den Wolken durch die Welten ziehen.

Sie sucht und sucht doch ihren Einen ganz allein,

verzweifelt noch am Zustand ihres Seins.

 

Es gibt Tage, sie ist ganz allein, möchte nicht mehr lebend sein,

oder möchte in seinen Armen liegen,

möchte ihn ganz nah an sich spüren.

 

Doch gibt es Tage, ihr Herz wird rein, nach Außen wahrt sie ihren Schein,

möchte ganz weit weg nur fliegen,

möchte nicht nur im Traume mehr seine Lippen berühren.

 

Und an den meisten Tagen, da ist es so,

da ist sie über jeden kleinen Gedanken an ihn so froh,

sie blüht auf und findet sich in Träumen wieder,

bleibt einfach liegen und hält geschlossen ihre Lider.

Denn dann weiß ich wohin ich flieh, sagt sie

Und geht fort mit den Bildern ihrer Phantasie.

 

280707