Steinern

Ein Stein liegt auf meiner Türschwelle und du hast ihn platziert

damit ich wieder weiss, was ich wert bin und wohin du mich ziehen lässt.

Ich kann es klar sehen und ich fühle den Stein in mir wachsen

ohne einen Groll zu spüren, denn ich bin mit mir im Reinen und kann

klaren Gewissens

ohne Fragerei sagen, was ich fühle und was ich will.

 

Nie konntest du etwas fühlen, was sich ausserhalb deiner eigenen Grenze befand

und so hast du eine dicke, steinerne Wand aufgebaut,

die dich nicht zu dir lässt.

 

Mir ist das egal, ich bin in mir ich geblieben,

so ein Glück, ich bin so froh, dass ich jetzt nochmal ich sein darf

und ich bin so froh, dass du mich endlich gehen lassen hast.

 

Die Gespenster sind verschwunden, sie jagen mich nicht mehr.

Heute kann ich frei atmen und gehen,

und du trauriger Schluck bleibst

mürbe zurück und

glaubst, du bist geheilt.

 

Ich trink jetzt wieder und ich benehme mich daneben

und ich erlebe wieder was und

ich lebe.

 

Du hattest das aufgegeben, du hast das fortgeschmissen

und dann hast du gemeint ich trage alle Schuld.

 

Fick dich doch, hab ich sooft gedacht,

endlos bin ich gerannt und du hast es nicht verstanden.

Das zeigt, in welcher Welt du lebst. Da gibt es ja nur dich.

 

Nicht in meiner. Nie mehr wieder. Nicht zurück.

Und ich atme Neues ganz tief ein.

Ich lebe und ich bin froh, zu sein.

 

 

070417 

Fortgeträumt

Manchmal denke ich, manchmal spüre ich, manchmal sehne ich mich

Und bin doch nicht bei dir.

Manchmal hoffe ich, manchmal fühle ich, manchmal sehe ich dich

Und doch bist du nicht hier.

Wie im Traum, ein nahtloser Übergang von deinen Worten zu eigens für diese Zwecke erdachten, fernen Orten, in denen ich bei dir liege, dein Kopf auf meiner Brust, deine Wärme an meinem Körper – und sag nicht, du hast es nicht auch gewusst.

Es sind diese Phantasmen, so ideal und schön, in denen die Sonne immer scheint und kein Kind jemals weint. Es sind die Bilder, die wir schufen, wenn unsere Herzen des Nachts einander rufen und in denen wir vermissen, von dem wir noch gar nicht wissen.

Wir sind grösser, als wir es uns selbst je vorstellen können. Und jede Illusion, in die wir eintauchen, bringt uns einen Schritt näher dahin, der Realität einen wahren Kern zu schenken.

Wir sind so weit entfernt und doch, ja doch, können wir uns spüren, sehnen, hoffen, fühlen, und für einen kurzen Augenblick können wir uns ein neues Leben denken.

Ich weiss schon, du willst es ruhig und nur ach zu gewiss nicht überstürzen; ich verstehe diese Bedenken, kann auch diese zeitweils langen Wege nicht verkürzen. Aber ich weiss und du wirst mich darin nicht beirren, ich fühle etwas und das, ja das kann und will ich gar nicht ändern. Du trägst mich und nimmst mich fort, ich träume mich zu weiten Rändern all der vielen, grossen und kleinen, deinen und meinen hoffnungsvollen Unmöglichkeiten, die mein Denken ab jetzt nun einmal stets begleiten.

Fortgeträumt, so hast du mich gefesselt, ohne es zu wissen. Unversäumt, freue ich mich auf den neuen Tag, an dem wir uns sehen und nicht vermissen. Aufgebäumt, so frisch und froh und fröhlich, wenn wir uns küssen können, wird mein Verlangen selig.

 190317