Magisches Licht

 

Durchflutetes Zimmer, erhellt von all dem Glanz.

Licht scheint durch den Raum, scheint durch mich hindurch –

als atme ich es, als erfasst es mich; ganz.

 

Ein letzter Tag, so hell, erhaben, wie er scheint

und führt zusammen, was sich wie magisch vereint.

Zeit bleibt stehen, für den Moment, in dem

sich der Verstand im Herzen verrennt.

 

Wie aufgezogen, wie reflektiert, spiegelt sich

der Blick von dir in meinem Gesicht

und nimmt, was ohnehin schon dir gehört.

Und nimmt es fort, nimmt es mit –

 

lässt am Ende nur die Dunkelheit, allein, zurück.

191017

 

 

Fühlst du die Welt

Im Kleinen und Grossen und Grossen und Ganzen finde ich mich wieder in meiner Belanglosigkeit auf dieser Welt. Meine Existenz ist begrenzt, bestimmt von einer grausamen Konzeption von Zeit, die alles zu Nichte zu machen weiss und vor nichts zurück schreckt. Zeit, was ist das schon? frage ich mich und laufe voran, grad aus und immer weiter. Wir haben sie erfunden, um uns zu fügen und zu lenken.

Doch, dann und wann, wenn ich nicht mehr daran glaubte, dass es nur eine Erfindung gewesen ist, kommen diese Momente, in denen Sekunden wie Tage scheinen und Stunden verfliegen wie Sekunden es doch sonst nur tun. Ein Augenaufschlag und ich war plötzlich in einem anderen Leben, hunderte Leben später, als das erste, das ich einst lebte. Ein Kuss, Millisekunden in denen nur winzige Berührungspunkte unserer Körper auf einander trafen und doch durchfuhr es mich, es packte mich und schrieb sich in mich ein, in meine Seele und mein Herz und liess alle Zeit stehen bleiben, als gäbe es das Davor und das Danach gar nicht mehr.

Die Blicke tauschten aus, was keine Worte zu sagen vermochten und jede Berührung, jedes Streichen der Finger, die Wärme auf meiner Haut, das Kitzeln der Zehen, eng umschlungen, fast verbunden, sagte so viel mehr – und trotzdem, nie genug. Ich spürte alte Narben auf meinem Herz, sie sind aus anderen Leben, aus vergangenen Zeiten, und sie wollten mich erinnern; an irgendetwas, das ich längst vergessen hatte.

Doch unbeirrt folgte ich meiner Intuition, hörte auf meinen Bauch und liess alles zu, um zu fühlen. Du musst wissen, wie sich die Welt anfühlt, um fühlen zu können. Du musst berühren, um dich berühren zu lassen.

Ganz tief in mir wusste ich das. Ganz tief in mir habe ich gehofft, dass es dir genauso erginge. Ganz tief in mir habe ich dieses vergängliche Konzept unserer Existenz verraten und habe es einfach an die Wand gestellt, zu den anderen Dingen, die mich nicht erfüllen können. Zeit, was tue ich ohne dich?

200817

ehrlich

Um zu sein, versuche ich die ehrlichste Version von mir selbst mit mir selbst zu sein. Wenn ich das nicht kann, zerspringe ich fast und löse mich gleichzeitig auf, werde von meiner inneren Leere übermannt und spüre, dass ich in meinen Augen nichts mehr lesen kann.

Wenn es wieder soweit ist und mich diese Ohnmacht einholt, dieses ständige Verlangen, jemand anders sein zu wollen und sein zu müssen, damit ich überhaupt irgendjemand bin, dann verlaufe ich mich in meinen Gedanken und bin fast bestürzt über den tiefen Abgrund, den sie erschaffen.

Nicht mal die Dunkelheit, nicht diese unfassbare Schönheit der Nacht kann mich dann retten. Ich verstricke mich und ich falle, tiefer und tiefer, in die Leere des Seins, des Nichtseins, des Ichseins. Und dann sehe ich hinauf und sehe dich, wie du versuchst wieder vollständig zu werden und ich versuche mir dich zum Beispiel zu nehmen. Und spüre, wie du mich heilst.

Es ist wahr, was einmal gesprochen wurde, denn du erhellst meinen Weg, du erhellst mein Gemüt, auch wenn du mich oft nicht zur Ruhe kommen lässt. Ich blicke dich an und sehe doch nicht, was alles dahinter steckt und du offenbarst mir dein Geheimnis nicht vollständig. Nicht ganz. Und ich suche weiter zu lesen, was da verborgen bleibt und taste mich, Stück um Stück, voran.

Und auf der Suche nach deinen Ungereimtheiten, nach deinen Sehnsüchten und Träumen, nach all dem, was dort auf der dunklen Seite liegt, die ich nie sehen kann; irgendwo darin finde ich mich selbst und finde ein immer neues Stück, dass mich zu einem Ganzen formt. Und ich bin dir dankbar, auch wenn du es nicht sehen kannst, nicht verstehen kannst.

Denn du bist dort oben und ich stehe hier, des Nachts an meinem Fenster, blicke hinauf, du schaust hinab und wir sehen uns. Und es braucht kein Wort, es braucht nur diesen Hauch einander zu wissen, einander zu vertrauen. Du hängst dort an diesem samtenen Schwarz und Blau, schimmerst und scheinst und strahlst.

Wenn es dann soweit ist, werden wir es wissen. Wir werden es wohl beide ganz genau verstehen, endlich dann, auch ohne jede kleine Fügung zu begreifen, werden wir vollständig sein und genau darin liegt eigentlich der Sinn. Wie es einst geschrieben stand, Liebe macht’s, dass die Welt sich dreht – und du lässt es zu und hüllst die Nacht in deinen sanften Schein; mein lieber Mond, das könnt für mich fast Liebe schon sein.

030917

Kein grosser Verlust

Ich sitze und das Leben zieht vorüber. Wenn ich hinaus blicke, sehe ich die Oberleitungen der Züge und höre das Vorbeirauschen abertausender Menschen, jeden Tag.

Der Kater scheint unbeeindruckt. Es rattert und knallt. Er frisst und schläft, gewohnt, tagein – tagaus. Kein Groll gegen all das Leben, das beginnt. All das Leben, das hinter den Schienen weitergeht.

Ich bin nicht mehr wütend. Ich habe keinen Hass, davon gibt es ja schon genug auf der Welt. Es ist alles abgelegt, es ist verziehen, vergessen und vergeben. Es war kein grosser Verlust.

Der Mond zieht langsam auf, nicht mehr in seiner Gänze. Doch fühle ich mich fast erleuchtet, fast geblendet. Sein Schein lässt selbst von den kleinsten Kieseln grosse Schatten werfen – fast so, wie im echten Leben.

Ich habe meinen Frieden, gefunden in deinen Augen. In deinen Armen. Wenn du mich halten kannst. Gegangen bin ich, abermillionen Wege, bis zu diesem Punkt. Umkehren war nie eine Option.

Der leuchtende Schriftzug dahinten, das milchige Weiss auf rostrotem Grund der Industrien, hier wo mein Leben voran zieht. Tiefes Ausatmen und ein schneller Blick nach oben, Wolken und Lichterschein der hell erleuchteten Stadt.

Ich finde mich zurecht in mir. Und ich bin mir selbst genug. Das ist alles, was ich sein wollte und alles was ich sein muss. Und vorbei ist es erst, wenn es vorbei ist – an der Wegegabelung, die vor mir verläuft und mahnend fragt: wie weit kannst du noch?

Der erhabene Moment von Freiheit. Entschieden.
Gelebt. Geliebt. Geweint. Gewonnen – Freiheit im Herzen, Freiheit im Sinn. Darum, genau darum, muss ich nicht entschuldigen, wer ich eigentlich bin.

110817

Falsch abgebogen

Irgendwo falsch abgebogen. Auf einen Weg geraten, der nicht mehr gerade zu biegen ist. Weitergelaufen, über Strassen und Wege, Wiesen und Deiche, über die Verzweiflung hin zur völligen Selbstzerstörung. Unten angekommen. Wieder aufgestanden, weitergemacht. Nie das Lächeln im Herzen verloren, das aufrechterhält. Nie gefragt, ob der Weg der Richtige ist. Er muss es sein. Irgendwo auf Schiffen gewesen, ein kleines bisschen Welt gesehen. Aus der Luft und im Wasser stehend. Nichts als blauen Himmel gesehen. Und manchmal tiefdunkelblau wie ein seidenes Tuch mit feinen, kleinen Perlen bestickt, in die klare Nacht mit all den Milliarden von Sternen. Manchmal nichts als Dunkelheit – gesehen und gefühlt. Sooft war da nur das Licht des Mondes, der dort oben hing. Und auch er leuchtete den Weg aus; er führte nach Haus. Für Irrungen und Wirrungen, die kamen und gingen. Häufig war da doch ein kleiner Schein am Firmament, der Hoffnungsschimmer auf einen wieder neuen Tag. Und wenn der anbrach, gab es kein zurück. Keine Wiederkehr, kein Nochmalerleben. Mit der Sonne stirbt die letzte Nacht, und alles Neue kommt unweigerlich den Weg entlang. Gehend, stehend – vielleicht sogar flehend schreibt sich der neue Tag in den Körper, in die Seele. Jedes Wort, das erklingt. Jeder Augenaufschlagsmoment, jeder Blick. Nicht zurück. Immer vorwärts, immer voran. Laufend, laufend, laufend, immer Schritt um Schritt. Manche Angst gefühlt. Manche Liebe geträumt. Manche Menschen verhasst, manche Menschen zum Schönsten poliert. Immer den armen Tropf gesucht, immer wieder aufgebaut – neu, von vorn, ganz gleich wie schwer es wog. Am Ende selbst  als ein trauriges Häufchen Elend zurückgeblieben. Schmerz gefühlt. Das einzig wahre Gefühl, auf das alles zurückführt. Verlust und Angst, Sehnsucht und Liebe, Vertrauen und Verlassen – sie führen alle zu ihm. Und er führt den Weg entlang über einige Hürden, einige Winkel und Ecken. Immer mitgegangen, es bleibt keine Zeit zum Verstecken. Ein Nein liegt einfach nicht drin. Oft gehört, oft gefleht; am Boden liegen geblieben. Getreten. Geschrien. Es nützt doch nichts, wieder vergeht die nächste Runde. Das nächste Leben. Das nächste Jahrhundert. Gefühlte Ewigkeit mit jedem Augenaufschlag. Jeder Atemzug so tief und innig. Grauenhaft und grossartig, die kühle Nachtluft eingesogen. Auf abertausende Galaxien geblickt.

Sich in das Universum verliebt.

In die Unendlichkeit.

In die Unmöglichkeit.

Immer und immer.

100717

zerrissen

getrieben von allen Müssen und Sollen

gezogen durch all die Pfade, die ich nicht gehen wollte

und du schleppst mich mit, immer weiter voran

 

gefühlt, wie eine Katze an der Leine

gedacht an das Ausreissen und niemals zurück blicken

bis zum Tag

als ich es tat

 

und ging.

 

 

zerrissen bliebst du zurück

zerfurcht bleibt dein Gesicht, dass ich nicht mehr sehen will

und du hüllst dich in deine dich rettenden Gespinste

 

zerfressen war meine Seele, begraben tief drin

zerschlagen habe ich alle fesselnden Ängste und Sorgen

an dem Tag

als ich es tat

 

und ging.

 

160517

Selbstzerstörung

Alles passiert, obwohl sie es so viel besser weiss. Alles passiert, und die ganze Scheisse dreht sich doch nur wieder um das Gleiche. Keine Ahnung, woher sie das nimmt, keine Ahnung, wohin sie das zu führen glaubt. Aber der Weg endet wieder im Chaos und verläuft sich im Sand. Sie glaubt an ein verdammtes Glück, dass es für sie ja doch nicht gibt. Nur in diesem einen echten Moment. Doch den zu erleben, stellt sie sich ins  Feuer und lässt sich beschiessen, mit all diesen Dramen und Tragödien in ihrem Kopf; sieht nichts ausser Nacht und wartet darauf, dass er sie herausholt. Unvernunft gesellt sich zu all ihren Träumen, von Logik keine Spur und ohne es abzusprechen: sie lebt plötzlich in diese Blase, in ihrem Traum; sie fällt vom Rand der Welt für das grosse Nichts, das ihr Niemand versprochen hat. Sie merkt mehr und mehr, sie zieht es wieder an, sie macht sich charmant und unwiderstehlich; sie lockt mit Botenstoffen und ihrem ganzen Körper und niemand sieht ihre Seele, sieht ihr Herz. Sie denkt sich, so eine Scheisse wieder, woher soll ich wissen was echt ist und was nicht? Und verlangen kann sie nichts und vertrauen kann sie nicht mal sich selbst, reitet sie sich immer wieder genau bis hierhin und kommt dann nicht weiter mit ihrem gefühlsüberladenen Herz. Alle Worte fliegen durch ihr Hirn, in Dunkelheit ergibt sich nur die Tragik der Situation wieder. Er schreibt und schreibt nicht; er lag die Nacht sicher in einem anderen Bett und sie kann es ihm nicht mal verübeln, haben sie doch gar keine Abmachungen getroffen. Und doch traktiert es sie unaufhörlich mit einer neckischen Ironie im Hinterkopf: du lässt wieder alles steh’n und liegen, weisst deine Typen ab und verzichtest auf jede Berührung und jeden Sex, weil du dir wirklich einbildest, dass das irgendwo hinführen kann – mit den vielen Kilometern zwischen ihnen, mit den vielen Steinen, die dort schon in den Weg gestapelt wurden. Und all diese blöden Hoffnungen und Traumbilder hält sie aufrecht und hält sie hoch, weit über sich und weit über den doch so wichtigen Dingen, die sie sich vorgenommen hat. Verblödet von ihrem Gefühl macht sie die Nacht zum Tag und hängt da, mit ihm, in Schriftform und ohne jegliche Ahnung von seiner Echtheit. Sie vertraut ihrem komischen Bauchgefühl, sie glaubt zu wissen, was es ist; sie glaubt zu fühlen, egal der Kilometer, egal der reellen Begegnung: sie glaubt und das reicht ihr schon aus für grosse Tränen, für grosse Worte; für irgendeine beknackte Gewissheit über diesen ihr unbekannten Geliebten. Und es bringt nichts, sich dagegen zu sträuben, sie ist dem ganzen Zeug einfach erlegen, wie ein zerbrechliches Reh. Sie erliegt ihren eigenen Phantasien über einen Menschen, den sie nie traf. Sie erliegt dem Gefühl, dass sie sich mit diesem Mann wünscht. Und läuft wieder wie in eine Kettensäge, die sie  auseinanderreisst, wenn sie die Realität endlich sieht und alle Hoffnungen über den Haufen schmeissen muss; weil das Idealbild irreführt und weil es doch nie in echt in Erscheinung treten kann. Wie ein Wahn rennt sie diesem Bild hinterher und hüllt sich in Tränen, wenn es sich nicht erfüllt. Scheiss Gefühle, denkt sie sich. Scheiss Schmetterlinge und scheiss Frühling. Aber so beschissen findet sie es gar nicht, und will ihn trotzdem treffen und dreht jede Unwahrscheinlichkeit in Normalität. Selbstzerstörerisch, wie sie eben ist, nimmt sie diese grossen Gedanken auf sich und begibt sich endlich in den Zug, der zu ihm führt. Ihr Herz springt fast aus dem Fenster, als sie in den erhabenen Bahnhof einfährt, in dem erwartete Gefühle wartend stehen und sie aus dem Zug gehen sehen, ihr eine Hand reichen und sie sofort in die Arme schliessen und ihr diesen einen, echten Moment schenken, der schon längst ausreicht um ihre unsinnigen Gefühle zu erwidern. Und sie hatte gehofft, dass es nicht so wird; dass es einfach ganz anders ist, das es keine grossen Gefühle bestätigt und gar nicht funkelnd und glitzernd ein Traumschloss aufgebaut werden kann. Einfach, damit es einfach erledigt ist; damit keine weiteren Hoffnungen gebaut und zerstört werden können. Sie ist schon so kaputt und sie ist schon so durch mit allem und trotzdem glaubt sie immer noch an dieses Konzept von der Liebe und dem Glück, ich meine, im Ernst jetzt – wie kann sie das eigentlich, nach all der anderen Scheisse? Und doch, sie hängt nun da und fühlt es und weiss es schon, dass der Abschied in den nächsten Tagen schlimmer wird, als die ganze doofe Warterei zu diesem Augenblick es war. Und sie ärgert sich. Warum hört sie nicht einmal auf die Vernunft, nicht zu fahren, nicht zu lieben, nicht alles wissen zu müssen, sondern einfach aufzuhören, wenn der Moment einmal schön ist? Nein. Und, überlegt sie sich, für ihn ist das alles nur ein furchtbar heisses Abenteuer, eine klassische Affaire, weil die Umstände beschissen sind und es auch nicht besonders viel Sinn macht, mit den hunderten von Kilometern und den ganzen anderen Felsen, die mittlerweile im Weg liegen. Die Unwahrscheinlichkeit winkt ihm zu und tapeziert sein Herz; sie lässt für ihn eine Ruhe einkehren, die sich nur auf ihren Körper konzentrieren kann; ohne das mulmige Gefühl im Bauch, was sie so sehr quält. Die Liebe ist wie ein Furz, man hofft immer, dass es endlich kommt und wenn es da ist, soll es schneller verfliegen; weil es am Ende eigentlich nicht so schön ist, wie man es sich vorgestellt hat. Er weiss das und geniesst den Moment, jeden Moment, nicht nur mit ihr. Und sie, trotz der Warnungen, trotz der Zeichen, trotz ihrer eigenen Worte, die monatelang sagten „Sei dir nur selbst wichtig“ – all dem zum Trotze, sie schmeisst sich voll rein und lässt sich nicht davon abbringen, zu leiden für dieses unnötige Gefühl.

Und da steht sie nun, fast eine Träne im Auge, obwohl es grad mal die Begrüssung ist.

020417 

Traumtanz

Wenn die Wellen höher schlagen, als dein Herzschlag es erlaubt; wenn die Gefühle sich übertragen, durch alle Zeit und Raum; wenn die Entfernung sich von dir entfernt und langsam aber sicher aus irrem Zufall und ohne Grund dein Herz dir wärmt – dann solltest du verstehen, dass es ein kleiner Traum ist in dem du beginnst dich langsam zu drehen. Und alle Worte fallen dir so leicht, die Sprache ist ganz gleich, und auch der Ausdruck ist ganz egal – du findest wieder zu deinem Herzen zurück, so leicht und ohne jede Qual. Du springst mitten hinein und du merkst es nicht, du drehst dich immer schneller und aus Bewegung und Licht und Schatten – mitten in diesem Wirrwarr von Denken und Fühlen, ersiehst du plötzlich und unscheinbar dieses wunderschöne Gesicht und es strahlt dich an und es lächelt, ehrlich, es lächelt, behutsam und die Augen leuchten mit Wahrheit erfüllt und du hast nur gewünscht und gehofft, irgendwo in dir drin auch gewusst, dass du es irgendwann fühlst und siehst und dass es diesen Menschen geben muss. Du spürst, wie sich deine Mundwinkel etwas heben, immer bei diesem Gedanken daran. Du spürst, wie die Röte dir ins Gesicht geht, mit jeder Silbe, jedem Wort. Und du träumst dich dorthin, du wünschst dich einfach ein Stückchen näher, eine Minute schneller, an diesen dir unbekannten und unverhofften Ort. Deine Phantasie lässt ihn auferstehen, diesen Traum, du siehst und spürst und verwachst schon kaum noch und gehst einfach weiter und lässt dich treiben, heiter und vergnügt, bis der Traum dich fasst und mitzieht und die Ebenen wechselt; sodass es dir schwer wird im Gemüt. Du verwachst und wachst doch nicht auf, du hoffst und gibst auch schon auf, bevor begonnen hat, was noch nicht war, und du fühlst mit einer Klarheit und kennst ja doch die bittersüsse Wahrheit vom Wegsein und vom Vermissen schon. Trotzdem tanzt du diesen Traum, denn wer sollte es dir verbieten, wer kann es dir vermiesen, das Schöne und Süsse so zu vermissen, mit deiner überschwänglichen Leidenschaft, hast du dich in diese unsagbare Gefahr gebracht, dich zu verlieben, was du nur durch Worte kennst – mit der vornweg geschriebenen Warnung, dass du dich vielleicht verrennst. Und doch und ach und sowieso, was macht es schon, macht es dich froh. Wohin sollt der Weg auch führen, tausend Bilder, immer diese Augen, die dir deinen Atem rauben und ein Lächeln, das vor Frohsinn nur so strotzt; kein Wunder, dass du aller Vernunft hier trotzt. Du vermisst eine Wärme, die du noch nie spürtest und trägst es mit dir, wie ein tolles Geheimnis, das du mit Sorgfalt hütest. Und keiner kann es dir nehmen, du hörst dich nicht auf zu drehen, du siehst es verschwommen, aber stetig weiter auf dich zukommen und kannst es kaum erwarten, raubt die Faszination dir fast den Atem; lässt dich treiben und lässt dich gehen, kannst das Glück schon in weiter Ferne sehen und du führst ihn weiter, tanzt deinen Traum, lässt dich führen, ohne Zeit und Raum; nur von diesem Lächeln, was er dir schenkt, als hätte ihn dein Herz gelenkt.

260317 

 

Fortgeträumt

Manchmal denke ich, manchmal spüre ich, manchmal sehne ich mich

Und bin doch nicht bei dir.

Manchmal hoffe ich, manchmal fühle ich, manchmal sehe ich dich

Und doch bist du nicht hier.

Wie im Traum, ein nahtloser Übergang von deinen Worten zu eigens für diese Zwecke erdachten, fernen Orten, in denen ich bei dir liege, dein Kopf auf meiner Brust, deine Wärme an meinem Körper – und sag nicht, du hast es nicht auch gewusst.

Es sind diese Phantasmen, so ideal und schön, in denen die Sonne immer scheint und kein Kind jemals weint. Es sind die Bilder, die wir schufen, wenn unsere Herzen des Nachts einander rufen und in denen wir vermissen, von dem wir noch gar nicht wissen.

Wir sind grösser, als wir es uns selbst je vorstellen können. Und jede Illusion, in die wir eintauchen, bringt uns einen Schritt näher dahin, der Realität einen wahren Kern zu schenken.

Wir sind so weit entfernt und doch, ja doch, können wir uns spüren, sehnen, hoffen, fühlen, und für einen kurzen Augenblick können wir uns ein neues Leben denken.

Ich weiss schon, du willst es ruhig und nur ach zu gewiss nicht überstürzen; ich verstehe diese Bedenken, kann auch diese zeitweils langen Wege nicht verkürzen. Aber ich weiss und du wirst mich darin nicht beirren, ich fühle etwas und das, ja das kann und will ich gar nicht ändern. Du trägst mich und nimmst mich fort, ich träume mich zu weiten Rändern all der vielen, grossen und kleinen, deinen und meinen hoffnungsvollen Unmöglichkeiten, die mein Denken ab jetzt nun einmal stets begleiten.

Fortgeträumt, so hast du mich gefesselt, ohne es zu wissen. Unversäumt, freue ich mich auf den neuen Tag, an dem wir uns sehen und nicht vermissen. Aufgebäumt, so frisch und froh und fröhlich, wenn wir uns küssen können, wird mein Verlangen selig.

 190317

Frühlings Tief

Nur weil da die ersten warmen Strahlen sind, heisst es nicht, dass die Blumen überleben können. Und nur, weil du Schmetterlinge zu spüren und Vögel singen hören glaubst, heisst es nicht, dass das echt ist. Denn, was ist echt? Und was bist du? Verrennst dich im irren Tief eines Frühlings, der noch gar nicht begonnen hat. Des Frühlings Tief, erst harmlos und sonnig, dann seine Stimme, die dich rief, viele Worte, keine Orte, nur Schrift und viele kleine Buchstaben, du lässt sie fliessen mit Papier und Stift. Und wieder, wieder, wieder – siehst diesen Unbekannten beim Schliessen deiner Lider. Und das Gefühl, dass dich dabei umgibt; umschreibt und meint, als dass du fliegst – wohin soll es führen? Niemals gesehen, niemals der direkte Blick, niemals spüren.

Du stehst dann da, im Sonnenschein, lässt wieder all die Wärme, Frohheit, Liebe rein. Nach diesen Tagen, fängst du an, dich zu fragen, dann und wann; was ist denn nur dein Problem, warum kannst du es nicht einfach locker sehen? Das Leben kommt, es spielt und geht; wie der warme Frühlingswind Flausen in den Herzchen weht. Getraut und getrudel, viel gemeinsam habt ihr, ja, doch du ziehst dich selber in einen Strudel aus real Erdachtem und einem Gefühl aus Vertrautheit, ohne, dass es Wirklich war. Du siehst seine Augen, du siehst sein aufrichtiges Lächeln, vielleicht gilt es auch wirklich dir. Du hörst seine Worte, wie sie sich wünschen, du wärest jetzt hier. Und du wünschst dir einen Regen, der alles rein wäscht und alles glättet; einen Regen, der die Unmöglichkeit wegschwemmt und das schöne Gefühl errettet. Aber du bist nicht sein Regen, nicht, was er sich gewünscht hat. Du machst es kompliziert, wie du es liebst. Du machst dich kaputt, an Gedanken, die nicht nötig wären, aber die sind, in deinem Kopf und in deinem Gefühl, die Schwermut deines Frühlings Tief. Wenn sich dein Herz dreht, dein Bauch dir sagt „Machs“ und du zurückzuckst, wenn er dich darauf hinweist, dass es nichts bringt – kein Weg, der irgendwohin führen kann; für etwas, dass man nicht kennt und doch spüren kann.

Du warst erst überzeugt, dass du gewappnet bist, gegen jeden noch so kleinen Funkenschlag, jeden Schmetterling, der dich überkommen mag. „Nein, Gefühle lasse ich nicht zu, ich lasse keine Verliebtheit herein“ und du schriebst und lachtest plötzlich mit ihm, plötzlich wegen ihm; diesem vertrauten Fremden. Du sehntest dich nach seinem Atem, seiner Wärme und seinen Händen, in den deinen und vor allem die unerklärliche Sehnsucht nach den seinen Augen. Klar, du kannst es absolut nicht glauben und das Blatt dreht sich so schnell – war er erst begeistert und fasziniert, liess es doch sogleich wieder nach und ach und du liegst da, beeindruckt und wach von einer müden Erkenntnis. Ein Frühlings Tief, dass leider mit deinen Gefühlen himmelhochjauchzend wieder nur im Sand verlief. Weil du Halsüberkopf und Ohnewennundaber diesem Fühlen nachgibst und glaubst, dass es auch zurückkommt. Doch vergisst du, auch das kann einfach nur ein Schein sein, eine Illusion und du gibst dich hin –

140317