Unsere Kinder

Sie sind das Glück der Welt.

Sie sind es, die man sicher in den Armen hält.

Sie geben uns ihr Lachen, können uns nicht wehren –

können uns so glücklich machen, so viel Freude bescheren.

Doch sollen wir sie denn in eine solche Zukunft schicken,

Wenn wir selber nicht einmal mehr nach vorne blicken?

Können wir uns diese Last zumuten,

oder wendet sich Alles noch zum Guten?

Sie sind der Schatz auf Erden,

sie sind es, die alles erben.

Sie sind es denen wir es hinterlassen –

wenn ihre kleinen Hände nach der ganzen Welt doch fassen.

Sie sind es, die uns Sorgen bereiten,

weil wir nicht wissen, in welche Zukunft sie schreiten.

Sie sind es, die weinen, wenn sie lachen –

auch wenn uns unsere Tränen nicht immer glücklich machen.

011005

Nichts tut mehr weh

Mit einem zufriedenen Lächeln tritt sie hinaus auf die Strasse. Nichts kann sie mehr davon abhalten, ihren Weg zu gehen. Niemand hat mehr die Macht, sie so zu zerstören, wie nur sie selbst es können sollte. Ein leichter Schauer fährt über ihren Nacken und stellt alle feinen, kleinen, blonden Härchen auf. Mit dem zur Seite geneigten Kopf schüttelt sie es ab, schüttelt sie alles von sich. Und in ihrem Inneren kehrt ein Frieden ein. Eine wohlige Wärme kehrt zurück. Alle Schatten fallen ab. Mit einem lauten Knall, mit Fanfaren feiert sie den Moment in ihrem Kopf. Tanzend tritt sie auf die Strasse, von einem Lächeln überströmt. Von Glück erfüllt. Mit einer neuen Stärke, mit einer neuen Gewissheit – das Leben geht stets voran, findet seinen Weg und sie muss sich nicht fürchten; nicht vor dem Morgen und nicht vor dem Alleinsein. Denn alles was es braucht, ist sie selbst. Der unbezahlbare Blick der Endgültigkeit. Das wohltuende Lächeln zum Abschied, der kein Wiedersehen verspricht. Wenn sie daran denkt, wenn sie all das in sich aufnimmt und mit einem grossen Ruck von sich wirft, dann fängt sie an zu fühlen. Die Welt und sich selbst, sie beginnt zu lieben, sie beginnt wieder zu leben. Die Türe fällt ins Schloss, mit einem Einrasten ist auf einmal alles vorbei. Ein letzter Blick, seine Hand, die ihre nochmal drückt. Keine Worte aus seinem Mund, denn er ist ob der Endgültigkeit verstummt. Und so grossartig, denn er weiss genau, was in ihr vorgeht und kann sehen und kann es fühlen, alle Genugtuung ist vereint, sie ist wieder vollständig bei sich und strahlt und glänzt mit einem seidenen Schein. Ihr vollkommenes Glück ist kaum zu erfassen, sie findet nicht die richtigen Worte und wünscht nur das Beste für den Rest des Lebens, den sie ihn nicht mehr sehen, nicht mehr ertragen muss. Es. Ist. Endlich. Schluss. Es ist vorbei. Und dann läuft sie hinaus, läuft zu und mit und denen und welchen, stösst aus manchen wüsten Schrei und singt und tanzt, auf der Strasse, auf dem Perron und jeder blickt sie an, jeder versteht genau, wie es in ihr geht. Sie kann es nicht verbergen, sie kann den Frohsinn nicht verstecken – und warum sollte sie auch? Jeder soll es sehen, jeder darf es spüren, denn sie teilt es gern, das Glück und das Gefühl und all die Schönheit des Lebens in all seiner Unvollkommenheit, in der Nichtperfektion und mit jedem Makel an sich selbst liebt sie es mehr. Und lässt es zu. Und lässt alles rein und lässt los und spürt – nichts tut mehr weh. Sie ist sich selbst genug.

170717

[ zu Nothing’s gonna hurt you baby ]