Gedanke

Aus dem Traum erwacht
gehe ich mit
der Träne im Gesicht
zurück.

Aus den Trümmern erhoben,
wie aus tiefem Schlaf,
laufe ich mit
tiefer Sehnsucht im Blick.

Aus Gedanken gerissen,
die mich zu dir doch führten,
plötzliche Klarheit über das Sein,
werde ich diese Reinheit hüten.

19012020

Licht

Aus Träumen geboren, entsteht dieses Licht.
Es ist nah und es ist fern, es ist alles
– – es ist das Lächeln in deinem Gesicht.

Jede Zärtlichkeit durch deine Hand,
in all den wunderbaren Augenblicken,
in denen ich mich mit dir wiederfand.

Ohne Angst und ohne Fragen,
konnte entstehen, was wir niemals gedacht
haben zu wagen.

Es war alles, was uns glücklich machte,
– – es war, was uns verband.

Ein neuer Tag

Und über dem Tal den Nebel steigen sehend
blicke ich hinab auf diese kleine Welt
sehe herunter, erkenne doch nicht
wonach ich eigentlich sehnend
und was mich letztlich zusammenhält.

Ich sehe wie schnell, wie flink und ach so ohne Sorgen
wie er beginnt, mit hellen Strahlen, sanft empor sich klimmend
– der immer währende, immer wieder,
der neue Morgen.

Und all die Wärme, die er verbreitet, wenn das Licht mich
letztlich ganz und gar berührt, ja fast umarmt
und mit einer Weisheit von Anfang und Ende mich
dann in sanften Wogen ermahnt.

Wie fliegende Geigen, wie ein flüchtiger Kuss
frei von jedem Gedanken, der sich
unentwegt formen muss –

hältst du mich
ganz weit, ganz oben
geniesst den Moment
geniesst den Beginn
dieses
neuen
Tags.

101119

Unsere Kinder

Sie sind das Glück der Welt.

Sie sind es, die man sicher in den Armen hält.

Sie geben uns ihr Lachen, können uns nicht wehren –

können uns so glücklich machen, so viel Freude bescheren.

Doch sollen wir sie denn in eine solche Zukunft schicken,

Wenn wir selber nicht einmal mehr nach vorne blicken?

Können wir uns diese Last zumuten,

oder wendet sich Alles noch zum Guten?

Sie sind der Schatz auf Erden,

sie sind es, die alles erben.

Sie sind es denen wir es hinterlassen –

wenn ihre kleinen Hände nach der ganzen Welt doch fassen.

Sie sind es, die uns Sorgen bereiten,

weil wir nicht wissen, in welche Zukunft sie schreiten.

Sie sind es, die weinen, wenn sie lachen –

auch wenn uns unsere Tränen nicht immer glücklich machen.

011005

Nachtduft

Gerade jetzt im Sommer kommt dieses wiederkehrende Gefühl. Es ermannt sich, es überrennt mich. Mit einem tiefen Atemzug und dem Blick in den Nachthimmel zerreisst es mich fast. Ein Junikäfer setzt sich an meinen Fenstersims, als wollte er von der Welt da draussen erzählen. Von dem, vor dem ich mich gekonnt verstecke und verkrieche, in meiner Höhle der Einsamkeit, in meinem wohlbekannten Loch der unerträglichen Leichtigkeit. Mit den Klängen Mahlers zu vergleichen, ein ständig ansteigendes Tönen der Geigen, läuft es mir eiskalt entlang, stellt jedes Härchen einzeln auf und bringt mich in vagen Träumen doch zu dir. Zu dir, wie in jener Nacht, in diesen Nächten, vor all den vielen Jahren, vor all den Jahrtausenden, in denen ich glaube, dich geliebt zu haben. In diesem Leben begegnest du mir, jetzt und immer wieder, wir finden zusammen, mit all der Tragik, all der Unschuld eines längst vergessenen Traums. Gross und weit und sternenklar erstreckst du dich über mir, wie das Universum legst du dich zu Grunde, der Beginn allen Übels und der Träumenden gewisser Morgen. Mit all dem Funkeln und Glitzern, wie das immer neue Anschlagen der Klaviatur zu meinem persönlichen Wohlbefinden, ergänzt du erhaben meinen trotzigen Abend. Erhellend leuchtet der Mond, keine ganze Drehung ist ihm vergönnt, und doch wissen wir, doch sehen wir, er ist dort oben und alles kreist und dreht und wendet sich, wie es das womöglich schon immer getan hat. Über all die vielen Epochen, jede einzelne Ära und die Unglaublichkeiten, in denen meine Seele zu dir blickte und dich verehrte und vergötterte. Meine Seele, mein Menschsein, mein Wunschtraum offenbart sich in dir und deiner überschwänglichen Grösse, dich über mir aufzuspannen, wie ein seidenweicher tiefdunkelblauer Teppich aus Nacht. Deine Kühle lässt einen Schauer über mich hernieder, deine Sanftheit beruhigt mich gleichzeitig. Und keinen Kuss entfernt, berührt der Duft deiner sommerlichen Frische meine Haut und meine Lippen. Ich ergebe mich deiner Stille, deiner Einsamkeit und deiner entsetzlich einfachen Schönheit. Wenn ich durch dich hindurch wandere, ist es wie schweben; es ist wie ein Wandeln im Traum und in der Unwirklichkeit. Und du nimmst mich. Immer wieder, nimmst du mich auf, in deine alles beschützenden Arme. In deine unsägliche Traurigkeit, in deine gnadenlos Tiefe. Und so gehe ich, immer und immer wieder – in die Nacht.

030717